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Horchnase

Fortgeschrittener

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29

Donnerstag, 27. Oktober 2016, 09:49

Hallo Maicha,

ich habe in meiner Beziehung gelernt, dass man das Zusammenleben durchaus so regeln kann Konfliktsituationen mit Hassgeräuschen zu minimieren oder zu vermeiden. Hängt natürlich davon ab welche Geräusche das bei dir genau sind...

Wir haben z. B. nur mit Musik/Radio/Fernsehen gegessen, meine Frau hat zum Apfel essen einfach ein anderes Zimmer aufgesucht und irgendwann haben wir uns auch nicht mehr zusammen im Badezimmer die Zähne geputzt. Lässt sich alles irgendwie organisieren, finde ich. Und bei mir war es außerdem so, dass die "Problemsituationen" nicht den Hauptteil unseres Zusammenlebens ausmachten. Essen und Zähneputzen nehmen nur einen geringen Anteil der gemeinsam verbrachten Zeit ein und ich empfand es als sehr entspannend und erleichternd unsere Beziehung nicht ständig durch solche Momente zu belasten, in denen ich kurz vor dem Ausrasten bin, sondern diese zu minimieren oder zu vermeiden. Dafür muss man klare "Regeln" aufstellen. Und es sollte für beide Partner okay sein. Keiner darf es so interpretieren, dass man sich z. B. weniger liebt, nur weil man nicht mehr zusammen die Zähne putzt, nicht in einem Bett schläft, nicht bei absoluter Stille eine Mahlzeit zu sich nimmt oder was weiß ich...

Inzwischen lebe ich allerdings wieder alleine - also fehlt mir ein wenig aktuelle Praxiserfahrung ;)

Maicha

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28

Mittwoch, 26. Oktober 2016, 17:24

Hallo,
ist ja nun schon einige Zeit her seit dem letzten Beitrag zu diesem Thread aber ich würd mich auch gern aussprechen hier.
Ich bin nun seit über 3 1/2 Jahren mit meinem Freund zusammen, er weiß von meiner Misophonie und ist verständnisvoll, aber achtet oft nicht drauf und vergisst es. Meistens reicht dann ein böser Blick und er merkt, was los ist und er hält sich die Hand vor den Mund, was es eigentlich nicht besser macht ?( Ich fühl mich natürlich schlecht, wenn ich so reagieren muss. Wenn wir mal Chips oder so essen, bin ich oft die einzige die isst, weil er darauf verzichtet, um mich nicht zur Weißglut zu bringen. Das Gegenessen funktioniert bei mir schon lange nicht mehr, aber ich probier es trotzdem.

Was für uns ziemlich behindernd ist, ist dass er selbst ein so selektives Gehör hat, dass selbst wenn ich ihn auf Geräusche anderer hinweise, es nicht wahrzunehmen scheint. Genau wie bei visuellen Sachen oder Gerüchen. Dadurch kommt es oft, dass er zwar merkt wenn ich darauf reagiere aber nicht weswegen und auch nicht allein drauf kommt. Das kann besonders unangenehm sein in Umgebung von Freunden, die nichts von der Misophonie wissen und er mich dann laut fragt, was los mit mir sei. Ich kann ja nicht vor allen sagen, dass mich so vieles an ihnen stört, also brumme ich nur ein "Nichts" und alle denken, mit mir sei was falsch. Wenigstens wissen meine engsten Freunde auch von der Misophonie :rolleyes:

Also sehr dramatisch seh ich meine Macke nicht in der Beziehung und mein Freund ist sehr selten mal wütend, zumal er weiß was für Nervenzusammenbrüche ich schon hatte, wenn meine Mutter mal wieder zu laut vorm Fernseher lacht oder singt oder isst oder Zähne putzt etc..

Als ich mich aber hier etwas durchgelesen habe, kam ich doch etwas ins Schwitzen, da mein Freund und ich halt auch in nicht allzu ferner Zukunft zusammen ziehen wollen. Nun habe ich Angst, dass ich, genau wie beim Zusammenleben mit meiner Mutter, immer mehr Trigger auch von ihm bekomme und es noch stärker wird. Bisher habe ich das Wegziehen von meiner Mutter eher als Hoffnungsschimmer gesehen, dass das alles ein Ende haben könnte, da ich der festen Überzeugung bin sie hat das alles erst bei mir ausgelöst. ;(

Die Leute in meinem Büro wissen es, zwar nicht in welchem Ausmaß aber immerhin werden keine Chips mehr gegessen und Kaugummis geknackt (wisst ihr welches Geräusch ich meine?). Leider wissen die Mitarbeiter, die immer wieder ins Büro kommen und manchmal auf ekligste Weise schmatzen, schlucken und dabei laut atmen, garnichts davon. Ich glaube aber auch, dass ich von denen kein Verständnis bekommen werde, also sag ich nichts.

So, auch wenn das vielleicht niemand mehr lesen wird, tut es ganz gut, sich mal bei Mitleidenden auszuheulen :)

LG,
Maicha

27

Samstag, 27. Dezember 2014, 08:49

Hallo ihr Lieben,

ich bin mit meinem Freund seit 6 Jahren zusammen. Anfangs alles im grünen Bereich, schnell störten mich seine Essgeräusche, obwohl er wirklich gesittet isst.. nicht wie manch Anderer.
Es ging einher mit "Dann hör ich auf zu atmen, wenn dir das Lieber ist." "Du machst auch Essgeräusche, die nimmst du nur nicht wahr...." usw. Seitdem ich aber weis, dass ich Miso habe (ich kannte bis Ende dieses Jahres Miso nicht einmal...) hat er auf jeden Fall mehr Verständnis für mich. Mir war es auch wichtig, dass er von meiner "Miso-Entdeckung" von Anfang an eingeweiht ist. Er ist zwar immer noch oft genervt, wenn ich etwas beim Essen sage, aber wenn ich dann sage "Du weist dass ich nichts dafür kann." hat er Verständnis. Darüber bin ich auch sehr froh....
Ich denke es ist einfach grundsätzlich wichtig, den Partner direkt darauf hinzuweisen und ihn zu bitten, sich im Internet schlau zu machen. Erzählen kann man viel, wenn der Partner aber im Internet sieht, dass wirklich auch andere betroffen sind, dann wird man auch ernst genommen und bekommt Verständnis. Mein Freund meinte z.B. dass er in letzter Zeit auf ganz viele Youtuber aus den USA mit Misoproblemen gestoßen ist...

Horchnase, ich kann wirklich gut verstehen, dass du das nicht im Büro ansprechen möchtest... Mache ich auch nicht. Ich mache ein duales Studium und bin deswegen auch oft im Büro. Bei meinem vorherigen Job im Büro (hatte zuvor eine Ausbildung gemacht) hatte ich eine Kollegin, die wirklich alle 1-2 Stunden etwas gegessen hat, das war richtig Horror. Ich hab dann eben auch immer etwas gegessen, wenn sie auch etwas gegessen hat, anders habe ich es nicht ausgehalten.
In meinem jetzigen Job isst niemand etwas im Büro. Aber wenn, würde ich nichts sagen, sondern dann versuchen mich zu beruhigen, indem ich z.B. auf die Toilette gehe, mir Kaffee hole oder selbst etwas esse. Man versteht sich zwar oft gut mit Leuten im Büro, aber diese "Schwäche" möchte ich auch nicht zugeben, zu groß ist meine Angst vor Spott.... Über mein Misoproblem wissen sowieso nur meine Mutter und mein Freund Bescheid. Mehr Leute müssen es auch nicht wissen...

26

Mittwoch, 24. Dezember 2014, 20:01

Beziehungen leiden

Hallo Zusammen, ich bin neu :)
Ich habe bisher nur in engeren Beziehungen meine Miso Impulse. Also inder Partnerschaft ist es schon schwierig, da ich nicht die ganze Zeit darauf herumreiten will. Was es auch schwieriger macht ist dass man anfängt die kommenden Geräusche zu antizipieren und somit in den Zustand einer Abwehrhaltung gerät. Ich merke dass es besser geht wenn ich meinem Ärger luft mache, nur habe ich meistens Hemmungen dies zu tun.

25

Samstag, 20. September 2014, 21:57

Ich Bin 14 Jahre alt und vermute das ich Misophonie habe. Was mich stört:
Laute Kauen, Reden mit vollem Mund, schlucken, Das Atmen meiner Schwester ;( , Schmazen...
Vor etwa einem Jahr habe ich im Geo einen Text zu Misophonie gelesen. Ich glaube das ich das auch habe. Ich habe es meinen Eltern erzählt und gezeigt. Sie verstehen es aber nicht wirklich. Sie wissen das ich nicht wirklich etwas dafür kann, aber sie werden immr wütend. Jedesmal muss ich es von neuem erklären. Ich weiß ich töne wie ein kleines Kind. Aber ich hasse mich dafür. Ich hoffe immer das ich beim essen nicht daran denke, denn kaum ist es mir aufgefallen fängt es an. Ich werde Agressiv und gemein. Meine Schwester kann nicht mehr neben mich aufs Sofa liegen. Wenn sie zu nahe kommt und ich ihren Atem höre brülle ich sie fast an...
Ich hasse mich dafür und will wissen was ich tun kann. :( :S :S
Ach Herrje.... Entschuldigt vielmals!!! Echt ich bin auch schlau. Ich hätte zuerst fertig lesen sollen... Es ist mir echt peinlich das ich nicht gemerkt habe das es hier nur um Beziehungen geht. Noch einmal entschuldingung. Ich bin neu hier und war überglücklich das ich es mal jemandem sagen konnte der weiß wie das ist. Ich hoffe ich habe eure (gute) Meinung von mir nicht gleich hier schon zerstört. :S

Horchnase

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24

Dienstag, 26. August 2014, 08:16

Das tut mir leid!

Hallo James,

es tut mir leid, dass deine Ehe an der Misophonie kaputt gegangen ist! Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie das alles gewesen sein muss... Um so dankbarer bin ich, dass meine Frau es noch mit mir zusammen aushält!

Theoretisch sollte gerade der Partner innerhalb einer Beziehung/Ehe/Freundschaft etc. Verständnis für die "Macken" oder "Schwächen" des anderen aufbringen. Aber anscheinend sind die Auswirkungen der Misophonie so einschneidend, so heftig, dass der Grad der Verletzung den der Toleranz und des Verständnisses übersteigt. Leider.

23

Montag, 25. August 2014, 14:03

leider zuspät

Hallo,

auch ich leide an Misophonie. Leider hat diese Krankheit wohl dazu beigetragen, dass meine Ehe kaputt ging. Eigentlich wusste ich schon seit über 10 Jahren von meinem Problem, allerdings dachte ich immer das es sich um eine Art von Tick handeln muss. Quasi einfach nur eine Abneigung gegen Essgeräusche usw. Die Diagnose/Erkenntnis Misophonie kam erst jetzt.

Meine Trigger sind:
Audio: Generell Essgeräusche, langes kauen, reden mit offenen Mund, trinken/lautes schlucken, das Geräuch von nackten Füßen auf dem Boden, kontinuierliches Klopfen (z.b. beim Kochen den Kochlöffel am Topf abklopfen um ihn von Essensresten zu säubern), husten, Nase putzen, lautes reden/telefonieren(ganz schlimm!), Vögel gezwitscher, Kindergeschrei, wenn man Gegenstände zu laut irgendwo abstellt, mit Besteck Teller auskratzen, Joghurt-Becher auskratzen, alle Geräusche die auf der Toilette enstehen.

Visuell: kauen von Essen, auch das "nachkauen" wenn man eigentlich schon fertig ist mit dem Essen(ganz schlimm!), langes rumwühlen in der Handtasche, Fußwippen, .

Folge: innere Wut über die Person, Abneigung, Ekel, Hilflosigkeit, Wut, Fluchtgedanken, Unruhe. Den Zwang manchmal etwas nachmachen zu müssen was mich stört z.B. das Schmatzen.

Leider hatte meine (mittlerweile Ex-)Frau nur sehr wenig Verständnis für mich. Ich kann aber auch verstehen, dass es sehr schwierig für sie gewesen sein muss. Immerhin will man zusammen schön Essen und ich mache den Fernseher immer lauter oder werf ihr böse Blicke zu. Ich war dann oft fies und gemein, konnte das aber nicht abstellen oder steuern. Das hat sie nie verstanden. Das ganze war ein kleines Rädchen im Ganzen, was dazu geführt hat das sie mich nach 6 Jahren verlassen hat. Im Prinzip kann ich jedem Betroffenen nur wünschen, dass es endlich eine wirksame Behandlungsmöglichkeit/Heilung gibt oder einen verständnisvollen Partner zu finden der dies über Jahrzehnte mitmacht.

22

Donnerstag, 3. Juli 2014, 15:33

ER muss mithelfen!

Hallo MInnie,

vielen Dank für den Beitrag. Es ist zumindest mal ein Anfang dass Ihr nun wisst an was Dein Mann leidet. Nur nützt dies natürlich herzlich wenig, wenn man sodann nichts unternimmt, d.h. sich entsprechend verhält oder anpasst. Sie es mit Ohrstöpsel beim Essen oder ähnliches. Ihr müsst dies dringend anpacken, es wird nur schlimmer :(

Eure Kinder sollten natürlich am wenigsten darunter leiden, also soll er sich damit abfinden die Ohrstöpsel beim Essen zu tragen (ist ja nicht so dass er dann nix mehr mitbekommt).

Er soll sich doch selbst mal hier im Forum umsehen und sich mal mit anderen betroffenen unterhalten, dass wird Ihm bestimmt helfen!

liebe Grüsse!
_____________
Misophonie.info

21

Mittwoch, 2. Juli 2014, 22:41

Schwierig..aber es geht

Hallo!

Bei uns war es auch so, dass das "Problem" meines Freundes nach der Pro7-Sendung einen Namen bekam. Jahrelang wusste sein nächstes Umfeld von seiner "Macke", viele haben es als Tick abgetan. Er war erleichtert, als sich herausstellte, dass viele Menschen betroffen sind. Wir sind seit nun fast 12 Jahren zusammen - die Miso wurde über die Jahre schlimmer, hat sich aber seit ca 1 Jahr nicht auf weitere trigger ausgeweitet (als wenn die liste nicht schon lang genug wäre und trotzdem habe ich Angst, dass er sich mehr und mehr isolieren wird).

seit kurzem besteht auch die Vermutung, dass die Miso möglicherweise irgendwie mit seinen Migräne-Attacken zusammenhängen könnte.

die Miso ist allgegenwärtig und belastend. Es nervt, wenn ich atme, trinke, esse oder meine Füße bewege (im sitzen/liegen). Wenn ich singe, bringt ihn das auch auf die Palme - das könnte aber auch an der Tonlage liegen ;) wir arrangieren uns, essen zu Hause immer getrennt (inzwischen kann er auch in meiner Gegenwart nicht mehr essen, er erträgt es auch nicht wenn er selbst "laute" Sachen ist). Was dazu kommt - für mich ist essen einfach Lebensqualität und zwar vollem gemeinsames essen..

Ich würde mir so sehr wünschen, dass ein effektives Mittel gegen diese Krankheit gefunden werden würde! Auch wenn es ja eigtl nicht hierher gehört (weil es eben über den Punkt Partnerschaft hinausgeht), ist vor allem das Familienleben in für mich sehr wichtigen Bereichen total eingeschränkt - er gerät tagtäglich mit unserem 4-jährigen Sohn aneinander, weil dieser laut isst oder zappelt.. Und in diesen Momenten gehe ich an die Decke, denn ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man beim essen ständig beobachtet und bewertet/ermahnt wird. Das möchte ich dem Junior wenn nur irgendwie möglich ersparen. Er weiß, dass bei Papa der Wutschalter angeht, wenn man laut isst, aber trotzdem geraten die beiden deswegen ständig aneinander. Unsere jüngste kann er auch nur schwer "ertragen".

Ich möchte gerne verständnisvoll sein, das Problem ist aber, das er (noch?) nicht einsieht, einen Versuch zur Besserung zu unternehmen. Meine Vorschläge, mal mit ohrstöpseln mit uns zu essen oder mit Musik in den Ohren werden nicht angenommen..

Ich wünsch euch eine gute Nacht

Minnie

20

Montag, 9. Juni 2014, 21:54

verständnis von allen seiten.

puh. da arbeite ich seit jahren jeden tag am rechner für die onlinewelt und bin nie auf den gedanken gekommen mal nach meinem problem zu suchen. gestern abend aber doch. und nun bin ich hier.

ich glaube, ich habe nicht die allerschlimmste form von misophonie, aber sie begleitet mich auch schon seit ich denken kann. mein größtes problem ist auch alles, was mit essen zu tun hat: kauen, zähne auf der gabel, trinken, klackern von besteck am teller sowie knisternde bäckertüten. all das besonders bei personen, die ich lange kenne. in großer runde oder bei fremden hingegen ist es mir relativ egal. es nimmt mich erhöhtem streßfaktor dramatisch zu - in guten zeiten ist es wiederum erträglicher.

bei mir im freundes und bekanntenkreis gehe ich aber sehr, sehr offen damit um. liegt wohl in meiner natur, aber bisher habe ich in partnerschaften immer größtes verständnis dafür bekommen. ich wusste nicht, dass es wirklich eine krankheit ist - bis gestern. aber geschildert habe ich es immer von anfang an, dass ich mit zunehmendem vertrautheitsgrad ein problem mit geräuschen habe. niemand hat mich für verrückt erklärt oder psycho genannt! im gegenteil:

mein freund reagiert mehr als verständnisvoll. er versteht, wenn ich vom tisch aufstehe und weggehe oder gereizt in manchen situationen reagiere. ich finde, das nimmt mir sehr viel von dem ganzen druck weg und wird für mich insgesamt etwas leichter zu händeln und zu ertragen. mag aber auch daran liegen, dass sich meine probleme auf einen sehr konkreten bereich beschränken. ich hoffe sehr, dass das so bleibt und sich nicht verstärkt ..

19

Montag, 9. Juni 2014, 07:35

Verständnis

Hallo ihr Lieben,
zu aller erst möchte ich euch sagen,dass ich erst vor kurzem erfahren habe, dass unser Problem als KH diagnostiziert werden kann! Ich wusste zwar, dass ich nicht alleine stehe, weil meine Schwester den selben Mist durchmacht und ich denke, wir sind auch zwei Menschen bei denen es sehr stark ausgeprägt ist!!!
Aber hier zu lesen, dass ihr durch die Misophonie die selben Probleme, Einschränkungen und Konflikte habt hat mich nochmal umgehauen und auch zum weinen gebracht!!

In meiner Beziehung (5 Jahre) habe ich das Glück einen Menschen gefunden zu haben der allmählich probiert hat mich zu verstehen und mit mir umzugehen! Es war aber wahrlich nicht einfach...! Es erfordert enorm viel Liebe, Toleranz und VERSTÄNDNIS !!!!!!!
Ich musste nach und nach meine "Macken" preisgeben in der Hoffnung er versteht es und nimmt es ernst (sonst können Betroffenen in einer Beziehung meiner Meinung nach nicht klar kommen...!!!)
das war am Anfang ein seeeeeeeeeeeeeehr sehr großes Problem und wir haben viele Streiterein gehabt bis zur völligen Eskalation meinerseits!

Er schmatzt(e), isst gerne Nüsse, er schnieft und seine Nase pfeift ab und zu beim Atmen, er fängt an zu schnarchen wenn er auf dem Rücken schläft,spielt gerne am PC(Maus und Tastaturgeräusche!!),im Kino sollen es die Chips sein und mit das schlimmste...er piepelt am Daumen!!!!
Das alles musste ich ansprechen, sagen dass es mich stört...das ist ein riesen Eingriff in seine Freiheit und teilweise Wesensverändernd! Er hat eine enorm große psychische Belastung durch mich und sich auch iwann gefragt...warum ich überhaupt mit ihm zusammen bin wenn ich doch ALLES an ihm HASSE !!

Ich liebe ihn,alles an ihm...er ist einer der tollsten Menschen die ich je kennengelernt habe...er ist für mich da,hört mir zu und bringt mich oft zum Lachen!

Aber mein Verhalten durch die Misophonie hat genau das Gegenteil angedeutet...

Das wir jetzt immer noch glücklich zusammen sind erfordert beiden Parteien enorm viel ab...es ist ein harter Weg mit Bergen und Tälern, Sonne und Regen, Liebe und Hass!
Ich muss stets kämpfen, die Kontrolle über mich selbst zu bewahren, aber es lohnt sich...es braucht halt einen Menschen, der einen wegen anderen Dingen so sehr wert schätzt, dass er das aushält!!!!!!!!

18

Samstag, 3. Mai 2014, 22:03

Ich steig mal quer mit meinem Beitrag ein.
Ich lebe seit 8 Jahren in einer Partnerschaft, bin 6 davon verheiratet. Mein Mann wusste von Beginn an von meiner "Macke". Das Kind hat aber erst durch die Ausstrahlung des Beitrages auf Pro Sieben einen Namen bekommen, auch wenn die Symptomatik seit mittlerweile mindestens 14 Jahren, 3 Therapeuten und einem Versuch mir die Trommelfelle durchzustechen bekannt war. Aber irgendwie... Es ist gut zu wissen, dass ich nicht allein damit dastehe und das Dilemma eine erklärbare Ursache zu haben scheint (und nicht nur meinem verrückten Geist zuzuschulden ist ^_^°). Ich trage daheim permanent Ohrenstöpsel. Selbst mit denen darf mein Mann nur bestimmte Nahrungsmittel mit meinem Einverständnis zu sich nehmen (Dinge die Lärm über meine Ohrenstöpsel hinaus machen, wie Chips ect.). Wenn die Balkontür mal wieder wutentbrannt zufliegt, weil mir die Vögelchen massiv den Nerv rauben würdigt er das auch weiter keines Blickes. Er wünscht sich schon, dass ich mal eine Verhaltenstherapie mache, allerdings in meinem Interesse. Direkt Beziehungsstress verursacht das Thema nicht, wobei ich froh und dankbar bin, dass ich einen sehr toleranten Mann habe. Er regt mich ja auch mit Kleinigkeiten auf, darunter auch sich wiederholenden Bewegungen. Ihm ist das nicht immer bewusst und ich versuch mir halt einen Kommentar zu verkneifen, weil er ja eigentlich nichts Böses getan hat. Aber irgendwann platze ich doch irgendwann und ich weiß, dass ich ihn durch die ständigen Unterlassungswünsche einschränke. Er hat Gott sei Dank verhältnismäßig wenig triggernde Angewohnheiten, oder übt die, die er hat wirklich rücksichtsvoll außerhalb meiner Hör- und Sichtweite aus.
In Gesellschaft wünscht er sich die Problematik dagegen schon weit weg.

Brina

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17

Freitag, 4. April 2014, 11:30

Das kommt ganz auf die Person an. Wie die Person drauf ist, wie wichtig sie mir ist, wie wichtig sie FÜR mich ist etc.
Bei meinem Chef würde ich mir das natürlich 10 x überlegen ;-)
Bei diesem speziellen Kollegen ist es mir schlicht und einfach egal, ob er sauer auf mich ist, mich mag oder nicht, mit mir redet oder nicht.
Der hat es in den Jahren geschafft, dass ich ihn einfach nur verachte. Das hat nicht nur mit meiner Störung zu tun, sondern auch noch mit seinem allgemeinen Auftreten. Finde den ätzend - durch und durch.

In anderen Situationen bin ich auch zurückhaltend / schüchtern (oder auch soziophob). Absolut situationsbedingt - personenabhängig.
Ich bin z.B. von allein nicht in der Lage nach einer Gehaltshöhung zu fragen. Oder ich kann schlecht fremde Menschen anrufen.
Akquise könnte ich z.B. überhaupt gar nie!!

Menschen, denen ich gesagt habe, dass mich etwas stört und sie mich nicht ernst nehmen wollten oder Rücksicht nehmen - oder sogar danach noch extremer weitermachen - die strafe ich dann mit Nichtachtung. Über Leichen gehen.. ja, das stimmt wohl. Macht ein bißchen einsam manchmal.

Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich zum ersten Mal einigen Leuten gesagt, warum ich nicht zur Weihnachtsfeier komme. Bisher dachten sie, ich sei unheimlich stark und entschlossen (die geht da nicht hin, weil sie keinen Bock hat).

Ich komme nicht, weil ich euch nicht essen sehen kann. Weil zu viele Menschen auf einem Haufen sind, zu viele Geräusche. Menschen, die sich in den Vordergrund drängen... sie haben sich gewundert und ich tat ihnen leid. Jemandem leid tun möchte man auch nicht, oder?

Horchnase

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16

Freitag, 4. April 2014, 10:37

Mir scheint, du fährst in dieser Angelegenheit einen ziemlich direkten Kurs und schreckst vor keiner Konfrontation zurück, Brina? 8o

Ich selbst bin wahrscheinlich viel zurückhaltend/schüchtern.

Wahrscheinlich sollte ich meine Klappe einfach mal aufmachen und meinen Mitmenschen ganz unverblümt mitteilen, was mich an ihrem Verhalten stört? Schließlich würde ich selbst auch versuchen, Rücksicht zu nehmen oder mein Verhalten zu ändern, wenn meinem Gegenüber irgendetwas an meinem Benehmen stört... Und notfalls muss ich halt über Leichen gehen und die Leute, die's nicht kapieren wollen oder können, einfach hinter mir lassen?

Neben dem Wunsch, andere nicht verletzen zu wollen, spielt aber auch noch meine eigene Angst, eine "Schwäche" von mir preisgeben zu müssen, eine große Rolle...

Schwierig, schwierig... :wacko:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Horchnase« (4. April 2014, 12:44)


Brina

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15

Freitag, 4. April 2014, 10:23

Deine Kollegin hatte wohl keine ordentliche Kinderstube :thumbdown:
Das Verbot von Essen im Büro wäre ideal!
Gibt es viel zu selten!!

Ich habe meinem Kollegen mal ´nen Büro-Knigge auf den Tisch gelegt, nachdem er sich in meinen Augen mal wieder daneben benommen hat. Der ist RICHTIG ausgerastet - war mir aber egal. :P
Zum Glück ist der nicht mehr in meiner Nähe. Das war einer von denen, die das ins Lächerliche gezogen haben.

Horchnase

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14

Donnerstag, 3. April 2014, 19:45

Ja, selbstverständlich muss ich im Büro auch telefonieren. Dann nehme ich die Stöpsel raus. Das ist kein Problem.

Aber den größten Teil der Zeit arbeiten wir alle konzentriert jeder für sich. Ohne meine Musik könnte ich es gar nicht aushalten. Aber ich kann eben auch keine völlig abdichtenden Ohrhörer nehmen, denn ich muss ja auch noch ansprechbar sein und es mitbekommen, wenn das Telefon klingelt oder jemand klopft.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob die Kollegin auch beim Telefonieren Kaugummi kaut. Vermutlich ja, sie hat da keine Hemmungen, wird sich aber wahrscheinlich etwas zurück nehmen. Da ich meistens laut Musik höre, wenn sie einen Kaugummi drin hat, und sie von zwei Monitoren verdeckt mir gegenüber sitzt, bekomme ich das auch nicht immer mit. Sie hat jedoch auch kein Problem damit, während eines Gesprächs zuerst in ihr Brot, ihren Keks, ihre Tomate, Möhre oder sonst irgendwas hinein zu beißen und erst dann, wenn der Mund schön voll ist, mit dem Sprechen anzufangen. Könnte man das nicht in umgekehrter Reihenfolge machen, verdammt noch mal?!? :cursing:

Mir wäre echt geholfen, wenn bei uns im Büro Essen und Trinken generell verboten wäre. Aber das würde mich wohl auch nicht vor Kaugummis und Bonbons retten...

13

Donnerstag, 3. April 2014, 18:38


Sehe ich auch so ;)
Müsst ihr im Büro nicht telefonieren?
Ich frage das nur, weil du Musik hören kannst. Fummelst du die nicht ständig raus fürs Telefon? Und die Kollegin? Die kann doch nicht Kaugummi kaufen, während sie telefoniert. Absolutes no go (Büro Knigge ;-))
_____________
Misophonie.info

12

Donnerstag, 3. April 2014, 18:34

Hallo Brina,

Deine Erzählung über den Zusammenbruch zeigt auf, wie wir wahrgenommen werden, es kann sich einfach niemand vorstellen das es sooo schlimm ist.

Vielen Dank :)
_____________
Misophonie.info

Brina

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11

Donnerstag, 3. April 2014, 13:55

Das könnte gut und böse ausgehen. Verstehen kann ich dich allemal. Ich habe es zum Glück inzwischen in ein Büro geschafft, in dem wir halbtags zu dritt sitzen, ab mittag bin ich allein. Wenn ich überfordert bin, mache ich Ohrstöpsel rein.

So ein Gespräch könnte gut ausgehen, wenn sie Verständnis zeigt - vielleicht sogar Bereitschaft, sich etwas einzulesen in das Thema.
Dann fiele ihr Rücksicht vielleicht nicht so schwer.

Wenn sie jedoch null Verständnis zeigt, dann hast du entweder taub-stummes Arbeitsklima, weil sie beleidigt ist (ist sie ´ne Zicke?)...
oder sie macht in Zukunft alles noch verstärkt mit Bemerkungen dazu. Es wird also ins Lächerliche gezogen. Das ist mir schon öfter passiert.

Meine Kolleginnen hier im Büro wissen Bescheid. Interessanterweise stört es mich nicht, wenn sie essen. Die eine rührt nur ihren Kaffee komisch um - sonst alles bestens.


Müsst ihr im Büro nicht telefonieren?
Ich frage das nur, weil du Musik hören kannst. Fummelst du die nicht ständig raus fürs Telefon? Und die Kollegin? Die kann doch nicht Kaugummi kaufen, während sie telefoniert. Absolutes no go (Büro Knigge ;-))

Horchnase

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10

Donnerstag, 3. April 2014, 13:18

Das freut mich, dass es für dich in deiner Beziehung nun mehr Verständnis gibt, Brina! Und die Änderung in seinem Verhalten zeigt, wie viel du ihm bedeutest. So etwas tut gut!

Bei mir in der Partnerschaft ist insgesamt alles im "grünen" Bereich. Auf der Arbeit allerdings treibt mich meine Kollegin an den Rand des Wahnsinns. Besonders das Kaugummi Kauen mit halb geöffneten Mund, Bonbon Lutschen oder Sprechen mit vollem Mund geht mir sowas von auf die Nerven, dass ich Angst habe, hier im Büro irgendwann einmal äußerst unschön auszurasten. Ich habe mehr oder weniger den ganzen Arbeitstag die Ohrhörer auf den Ohren und höre Musik. Meine Frau meint, ich sollte mal mit meiner Kollegin reden und ihr sagen, was mir auf den Keks geht. Das wäre dann allerdings eine ziemlich umfangreiche Liste, die so gut wie ihr gesamtes, normales/übliches Verhalten beträfe...